Wenn ein Kind Krebs hat: Digitale Hilfe für Familien

Ausgabe 1
2026
Hände um eine Kette
Hände um eine Kette

Wenn ein Kind an Krebs erkrankt, verändert das den Alltag der ganzen Familie. Das Projekt Ped-Onko-SAX in Sachsen bringt seit 2026 medizinische Betreuung per Telemedizin und Heimdiagnostik direkt zu den Familien nach Hause.

Seit dem 1. Januar 2026 entsteht mit Ped-Onko-SAX eine digitale Versorgungsplattform für krebskranke Kinder und ihre Familien in Sachsen. Ziel ist es, medizinische Betreuung stärker in den Alltag der Betroffenen zu integrieren und gleichzeitig die Belastungen durch häufige Klinikbesuche zu verringern.

Die Plattform soll verschiedene Funktionen bündeln: Telemedizinische Sprechstunden, Heimdiagnostik, kontinuierliches medizinisches Monitoring sowie neuropsychologische Untersuchungen. Familien können so in vielen Fällen Betreuung und Beratung erhalten, ohne jedes Mal in die Klinik reisen zu müssen.

Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf der psychologischen und neuropsychologischen Begleitung. Daran arbeitet unter anderem die Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie des Universitätsklinikums Dresden gemeinsam mit der Forschungsgruppe Kognitive Neurophysiologie unter Leitung von Prof. Christian Beste. Sie entwickeln Module, mit denen sich psychische Belastungen und kognitive Veränderungen systematisch erfassen lassen.

Denn die Krankheit betrifft nicht nur die jungen Patientinnen und Patienten selbst. Auch Eltern und Geschwister geraten häufig an ihre Grenzen. In der Medizin gibt es sogar einen Begriff dafür: „Pflegekranke“. Damit sind Menschen gemeint, die durch die dauerhafte Sorge um einen Erkrankten selbst gesundheitliche Probleme entwickeln – etwa Depressionen oder Erschöpfung.

Deshalb sollen im Projekt nicht nur medizinische Daten erfasst werden. Ebenso wichtig ist die Perspektive der Familien. In sogenannten Fokusgruppen, die gemeinsam mit dem Dresdner Verein Sonnenstrahl e. V. organisiert werden, berichten Eltern, ehemalige Patientinnen und Patienten sowie Hinterbliebene über ihre Erfahrungen. Ihre Erkenntnisse fließen direkt in die Entwicklung der Plattform ein.

Forschung für eine patientennahe Medizin

Die Arbeit an Ped-Onko-SAX ist Teil einer breiteren Versorgungsforschung. Eine Dresdner Arbeitsgruppe mit dem Namen Onco-Wizz – das steht für „Wirksam, interdisziplinär, zuverlässig, zukunftsfähig“ – untersucht neue Modelle, mit denen sich die Behandlung krebskranker Kinder verbessern lässt. Ziel ist eine Versorgung, die unabhängig vom Wohnort funktioniert und sich stärker an den tatsächlichen Bedürfnissen der Betroffenen orientiert.

Partner des Projekts sind neben dem Universitätsklinikum Dresden unter anderem das Kinderonkologische Zentrum des NCT/UCC, das Medizintechnikunternehmen MedicalSyn GmbH sowie der Verein Sonnenstrahl. Gefördert wird das Vorhaben durch die Sächsische Aufbaubank im Rahmen des europäischen EFRE-Programms „Innovative Ansätze im Bereich der Gesundheits- und Pflegewirtschaft“ für die Jahre 2021 bis 2027.

Prof. Denis Schewe mit Kolleginnen und Kollegen während der Visite in der Kinderonkologie.

Parallel dazu entsteht ein zweites Projekt: KOMNET-SAX – KinderOnkologisches Mobiles Netzwerk. Hier soll speziell ausgebildetes Pflegepersonal, sogenannte Advanced Practice Nurses (APNs), Kinder teilweise auch zu Hause betreuen. Ambulante oder tagesklinische Termine könnten so in manchen Fällen durch Hausbesuche ersetzt werden.

Medizinisches Wissen für die Zukunft

Langfristig soll aus den gesammelten Daten mehr entstehen als nur eine digitale Plattform. Forschende hoffen, besser zu verstehen, was in der Kinderonkologie eigentlich als Therapieerfolg gilt. Denn neben dem medizinischen Ergebnis spielen heute auch Faktoren wie Lebensqualität, psychische Stabilität und gesellschaftliche Teilhabe eine immer größere Rolle.

Auch gesundheitspolitisch hat das Projekt eine Bedeutung. Telemedizin kann medizinische Expertise in Regionen bringen, in denen spezialisierte Versorgung sonst schwer erreichbar ist. Gerade für Flächenländer wie Sachsen könnte das ein entscheidender Schritt sein.

Doch eine Herausforderung bleibt: Digitale Gesundheitssysteme verursachen auch nach der Entwicklung laufende Kosten – etwa für Betrieb, Wartung und aufwendige Zertifizierungen. Deshalb wünschen sich die Projektverantwortlichen schon jetzt langfristige politische Unterstützung, damit erfolgreiche Modelle nicht nach wenigen Jahren wieder verschwinden. Denn ihr Ziel ist größer: Die Plattform soll langfristig verschiedene kinderonkologische Einrichtungen vernetzen und Expertise bündeln. Wenn das gelingt, könnte Sachsen weit über die Landesgrenzen hinaus zu einem Vorbild für die Versorgung krebskranker Kinder werden.

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